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Samstag, 3. September 2016

Verwirrung über neues EU-Leistungsschutzrecht

Abteilung: Die Nachdenkseiten, das deutsche Zitatrecht und der Entwurf der EU-Kommision

Nachfolgender Passage aus einem Interview lässt mich verwirrt zurück.

(...)
 SPIEGEL ONLINE: Gäbe es (lt. einem Entwurf zum Leistungsschutzrecht für Presseorgane) für normale Internetnutzer noch mehr Nachteile?

Reda: Auch eine Privatperson, die einen Link zu einem Nachrichtenartikel mit einem kurzen Auszug aus dem Text oder einem Bild postet, könnte nach den Regeln dieses Entwurfs verklagt werden.
 
SPIEGEL ONLINE: Ein Sprecher der Kommission betonte vergangene Woche, die neue Regelung würde es Nutzern weiter erlauben, Hyperlinks zu setzen. War das nur die halbe Wahrheit?
 
Reda: Gewissermaßen, ja. Natürlich kann man den nackten Link, den Buchstabensalat, noch verwenden. Aber in der Regel will man ja zum Beispiel mit einem Zitat aus dem Artikel auf den Link aufmerksam machen. Das deutsche Zitatrecht erlaubt Zitate aber nur, wenn sie sich in einem breiterem Kontext befinden, etwa in Form einer kritischen Auseinandersetzung. Eine Linkliste, die zu jedem Link einen kurzen Auszug aus dem Text bietet, würde da nicht drunterfallen. Und es gibt jede Menge Websites, die systematisch Artikel zu Nischenthemen sammeln. Auch Politiker haben auf ihren Websites Listen mit Links zu Berichten, in denen sie erwähnt werden, samt Ausschnitten.

SPIEGEL ONLINE: Es wären also nur noch Listen ohne Beschreibung möglich?

Reda: Ja, oder man müsste jeden Inhalt paraphrasieren. Wenn das einfache Copy-&-Paste von ein bis zwei Sätzen aus einem Artikel plus Link nicht möglich ist, schränkt das die Linkfreiheit meiner Meinung nach schon ein.
(Hervorhebungen durch Duderich)

 (...)
Quelle: SPON

Die Frage zur Legitimität von Hyperlinks bezieht sich auf den Entwurf der EU-Kommission, die Antwort hingegen bezieht sich auf (bereits geltendes?) deutsches Zitatrecht.
Ist das Zitieren mit Verlinkung bereits verboten (deutsches Zitatrecht) oder soll es nun entsprechend des Entwurfes verboten werden? Was denn nun?
Was genau ist unter einem "breiten Kontext" zu verstehen? Ab wann genügt man der "Form einer kritischen Auseinandersetzung"?
Fragen über Fragen, deren Antworten existenziell für Blogger sind und im SPON-Interview nicht beantwortet werden.

Ich kenne mich mit Medienrecht nicht wirklich aus, aber das hört sich nicht gut an.

Die Nachdenkseiten bspw. stellen in der Regel Auszüge von Texten mit anschließender Verlinkung ins Netz. Oft auch unkommentiert (also ohne 'kritische Auseinandersetzung').
Meiner Interpretation der Aussagen von Reda nach, wäre dies nach bereits geltendem 'deutschem Zitatrecht' (s.o.) bereits strafbar(?!). Oder könnte es werden?

Blogger, die sich im Medienrecht besser auskennen als ich, bitte ich, meine Verwirrung aufzulösen.

Samstag, 27. August 2016

Link des Tages: Sinn und Unsinn des Militär-Weißbuches 2016

Abteilung: Rechte vs. unveräußerlicher Rechte

Ich bin bei Telepolis über einen ziemlich langen Text (5 Teile) eines Artikels gestossen, welches sich mit den Inhalten des Militär-Weißbuches 2016 kritisch auseinandersetzt.

Ich halte den Text für äußerst(!) lesenswert.

Auszug:
"...  Im Wortlaut fehlt auch der entscheidende Satz aus der Präambel der UN-Charta ("die Menschheit von der Geißel des Krieges zu befreien"); die Vokabel "Angriffskrieg" kommt im ganzen Text ebenfalls nicht vor. Noch grundlegender ist deshalb: Die Weißbuch-Schreiber aus Hardthöhe bzw. Bendlerblock formulieren bzw. wiederholen über "Code-Wörter" wie selbstverständlich Planungsgesichtspunkte und Zielvorgaben für militärisches Agieren, die weder im Grundgesetz noch im Völkerrecht vorgesehen sind.

Anders als noch vor zehn Jahren glauben die Regierenden heute, man brauche das gar nicht mehr zu rechtfertigen und die Kritiker hätten längst kapituliert. Umso mehr müssen Verfassungspatrioten auf die verfassungs- und völkerrechtliche Debatte drängen, die in der breiten Öffentlichkeit nie stattgefunden hat. Langjährige Übungen von Ministerien schaffen noch kein "Gewohnheitsrecht": Militärdoktrinen zugunsten nationaler Macht- und Wirtschaftsinteressen sind ein Anschlag auf das Grundgesetz und lenken uns in eine düstere Zukunft..."
[Hervorhebung vom Duderich]

Welche Rechte sind unveräußerlich?
Mir scheint, dass der momentanen Politik unser Grundgesetz oder die UN-Charta ein zu enges Korsett ist.


Vielleicht hat sie die Macht einfach zu fett gemacht?

Und diese Macht, das sei angefügt, fusst auf dem Desinteresse der meisten Wähler. Auf deren Vergessen, auf deren Ohnmacht und deren Mangel an Solidarität.

Keine kommende Wahl wird daran etwas ändern.

Und wieder mal ist Kant unvermeintlich:

"Habe den Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen!"


Mittwoch, 24. August 2016

Untergangsszenarien

Abteilung: Hamster, Handys und Handtücher

Ach ja, die Notsstandsverordnung. Man gerät in einen taumelnden Schauer.
Notstand. Ist jetzt die Apokalipse Now?
Wird 'Hamsterkäufe' das Unwort des Jahres 2016?

Es ist so albern, dass man wahlweise weinen vor lachen, oder lachen vor weinen muss.
Viel Wasser und Nudeln und/oder Reis kaufen... Nee, klar.
Das erinnert mich an Zeiten, in denen Schulkindern empfohlen wurde, bei einem Atomarschlag unter die Schulbank zu kriechen.

Wenn ich mich so umgucke, dann bedarf es keinen Atomarschlages, um diese Gesellschaft total zu bedrohen.
Meinem Gefühl nach würde bereits Panik ausbrechen, wenn Handys nicht mehr funktionieren würden.
Ausschließlich Handys.
Nicht mehr funktionieren.
Handys.

Denn wie sollte man die notstandsverordnenden Nudeln zubereiten, wenn man nicht mal mehr googeln kann, wie lange Nudeln kochen müssen, um 'al dente' zu sein?

Und warum überhaupt Nudeln kochen, wenn man nicht mal auf Facebook posten kann, dass man gerade Nudeln kocht?

Und dann die Geheimdienste.
Keine funktionierenden Handys, die man überwachen könnte.
Je weniger abgesaugte Informationen, umso größer die Paranoia...
Da wird schnell mal auf den roten Knopf gedrückt.
Trump. Atompilz. Nudelwasser aufsetzen.

Also, wenn morgen noch die Handys funktionieren, dann ist alles gut.

Und falls wir, wie Arthur Dent, einer interstellaren Autobahn weichen müssen:
Nehmt ein Handtuch mit!

Montag, 22. August 2016

Zitat des Tages: Jörg Friedrich von den Kolumnisten

Abteilung: Der tief sitzende Egoismus der Hartz-IV-Kritiker

"Nun kommen die Advokaten der Ärmsten sogleich mit der rhetorischen Frage, was denn aber mit den Hartz-4-Empfängern und den Rentnern sei, die sich die Einlagerung von Mineralwasser und Fischdosen nicht leisten können? Diese Frage offenbart den tief sitzenden Egoismus der Fragenden mehr, als denen lieb sein dürfte. Denn die einzige Antwort kann doch sein: Lagere selbst ein paar Liter Wasser mehr ein, denn in der Not wirst du doch wohl denen gern abgeben, die für sich selbst nicht sorgen konnten."

Während nachvollziehbarer weise die "Hamsterkaufverordnung" in den Blogs auf Häme bis Kritik stößt, zieht Herr Friedrich von den Kolumnisten aus, diesen Schwachsinn zu verteidigen.
Für ihn ist es dekadent(!), eben KEINE Vorräte anzulegen, da dies für ihn offensichtlich zwingend zuviel Vertrauen in die Notversorgung des Staates implizieren würde:
"Für unser Wohl in jeder Lage hat der Staat zu sorgen, wir selbst sind da nicht zuständig. Man könnte dieses Denken als dekadent bezeichnen."

Eingangs genanntes Zitat demaskiert den Autor jedoch entgültig.
Ein doppelter rhetorischer Rittberger par excellence:
Wenn man kritisiert, dass Hartz-IV-Sätze nicht mal zum Anlegen einer von der Regierung empfohlenen(!) Katastrophennotration (egal für wie sinnvoll man sie halten mag) die nötigen Mittel haben, ist man ein 'Advokat der Armen' (= Gutmensch?). Man offenbart damit, laut Friedrich, einen 'tief sitzenden Egoismus'.

Eine solche Argumentation ist ausgesprochen zynisch. Der Herr Friedrich hat offensichtlich kein Problem damit, dass Hartz-IV-Empfänger im Katastrophenfall aufgrund ihres zu niedrigen Hartz-IV-Satzes auf die Mildtätigkeit von anderen angewiesen sind.
Und jenen Kritikern unterstellt er dann noch en passant ein Mangel an Hilfsbereitschaft.

Für den Autor scheint die Kritik an zu niedrigen Hartz-IV Sätzen im Widerspruch zur Bereitschaft zu solidarischen Hilfsleistungen (der Hartz-IV Kritiker an Bedürftige) im Katastrophenfall zu stehen. Vor dieser absurden Argumentation kann offensichtlich nicht mal ein Philosophiestudium bewahren.

Anmerkung zum Schluss: Laut dort einzusehender Autorenbeschreibung ist Friedrich 'Master of Arts in Philosophie'. Aha.

Großes Kino

Mittwoch, 17. August 2016

Harald Lesch und die AfD oder: Die Psychologie des Hasses

Abteilung: Fakten, Fakten, Fakten

Ich mag die Art, wie Harald Lesch komplizierte (meist astronomische und/oder physikalische) Phänomene verständlich erklärt. Dies macht er auf elopuente Weise, mit verständlichen Beispielen, ohne seine Zuschauer/-hörerschaft mit unnötigen Fremdwörtern zu vergraulen.

Solche Typen, die einen bei der Hand nehmen und Interesse - mitunter sogar Begeisterung - vermitteln können, hätte ich mir damals in der Schule als Lehrer auch gewünscht.

Nun ja, nun hat sich Herr Lesch in einem Beitrag dem Klimawandel angenommen. Soweit, so belanglos.
Dies macht er aber, was dramaturgisch äußerst interessant ist, in dem er das AfD-Wahlprogramm bzgl. des Klimawandels mit Fakten abgleicht. Dies, mit der ihm so eigenen und sympathischen Unaufgeregtheit:


Dass eine gewisse 'Community' - verniedlichend ausgedrückt - eher säuerlich darauf reagiert, wenn Inhalte der AfD mit wissenschaftlichen Fakten widerlegt werden, wird die wenigsten überraschen.

Seine Reaktion auf den von ihm ausgelösten Shitstorm?
Nun, er verfasst - ebenfalls unaufgeregt - einen Beitrag mit dem Titel: "Die Psychologie des Hasses".




Soviel Unaufgeregtheit im Umgang mit Trollen und Hatern würde ich mir auch manchmal wünschen.
Besonders die Gabe, konsequent auf der Sachebene bleiben zu können, nötigt mir Bewunderung ab.

Wer mich länger liest, weiß vermutlich wovon ich spreche. :-)

Montag, 15. August 2016

Der "Diskurs der Macht"

Abteilung: "Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden!"

Ich schrieb ja bereits, dass Kritik an Menschen wie Hinz oder Erdogan sich eigentlich innerhalb dogmatischer Denk- und Argumentationsleitplanken bewegen.
Denn nur eine (natürlich von den Mächtigen diskreditierte) >Fundamentalopposition<, die beispielsweise die Eigentumsfrage neu stellt, kann eine Gegenkraft bestehender Verhältnisse darstellen.

Eine linke Kritik muss sich einer Perspektive außerhalb(!) bestehender 'alternativloser' (sic?) Macht- und Reichtumsverhältnisse bedienen. Denn: Auch bspw. höhere Hartz-IV-Sätze ließen die Ausbeutungsverhältnisse grundsätzlich unangetastet. Es ist recht und billig, sich politisch für dieses Ziel einzusetzen. Dies ersetzt aber nicht die eigentliche linke Daseinsberechtigung, nämlich der, ein alternatives Gesellschaftsmodell zu entwickeln und zu bewerben. Oppositionelle Kritik im Detail lenkt von der allgemeinen etablierten Ungerechtigkeit ab, läuft sogar die Gefahr, sie stillschweigend zu legitimieren.

Sehr schön veranschautlicht dies auch dieser Text von Klaus-Jürgen Bruder, den auch der Blogger-Kollege Klaus Baum gepostet hat.


"Ich sei, gewährt mir die Bitte, In eurem Bunde der Dritte!"

Sonntag, 14. August 2016

Enttäuschte Rollenerwartungen am Beispiel des Christoph Hartling

Abteilung: Diskus-sion 

Entsprechend der Rollentheorie versuchen wir verschiedenen Erwartungshaltungen gerecht zu werden. Als Privatperson, als Arbeitnehmer, als Liebhaber, usw. Wir spielen die verschiedensten Rollen, je nach 'sozialer Kompetenz' (sic.) mehr oder weniger authentisch.

Je besser wir die Rolle übernehmen, bzw. der Erwartungshaltung entsprechen, desto unauffälliger sind wir, desto weniger Angriffsfläche bieten wir. Als soziales Wesen versuchen wir Ausgrenzung zu vermeiden - umso größer ist der (oft unbewusste) Antrieb den rollenspezifischen Erwartungen zu entsprechen.

Beispielsweise erwartet man von einem Fußballnationalspieler bei der Nationalhymnde mitzusingen.
Dies war früher anders, wo niemand mitsang, bisweilen dabei sogar Kaugummi kaute.

Nun hat da jemand eine Scheibe bei den olympischen Spielen weiter geworfen als alle anderen dort.
Dieser Jemand heißt Christoph Hartling - der Bruder des Gold-Gewinners der letzten olympischen Spiele.
Und dieser Jemand, entspricht so gar nicht den Rollenerwartungen, die man einen Gold-Gewinner bei den olympischen Spielen entgegenbringt:
Bescheidenheit, Kooperation mit der Presse, Demut.

Christoph Hartling entspricht diesen Anforderungen in geradezu provokanter Weise nicht.

Mir gefällt das. Es erfrischt mich, dass manche Sportler nicht 'funktionieren', nicht auf dem bequemen Sofa des Olympia-Studios Platz nehmen.

Und gerade weil es so unhöflich wäre, würde ich mich umso mehr freuen, wenn ein erfolgreicher Sportler den Handschlag mit Politkern eines Schlages von Merkel oder Gauck verweigern würde.

Denn auch Sport ist politisch - wie eigentlich alles.

Update: Stefan Rose's Gedanken zu diesem Thema findet ihr HIER